DEGEN Spendet Multitouch Display an die Lernwirkstatt Inklusion

Ein Bericht des "Boten" im Nürnberger Land (Julia Hornung)

Sebastian Degen erläutert die Vorzüge der neuen Lehrmittel für modernen Unterricht

FEUCHT/NÜRNBERGER LAND – Mit verschränkten Armen stehen Lehrer und Politiker vor dem neuen Gerät in ihrer Mitte. Neugierig mustern sie den Bildschirm, auf dem ein Lernspiel läuft. Endlich ergreift Monika Munker von der Lernwirkstatt die Initiative und verschiebt mit ihrem Zeigefinger einen virtuellen Teller auf dem Lerntisch. Eine Melodie signalisiert, dass sie alles richtig gemacht hat. Auch darum geht es bei der Präsentation des neuen Geräts: Berührungsängste zu verlieren.

Wie ein riesiger Flachbildschirm sieht das Gerät aus, kann jedoch weit mehr als ein Fernseher, wie ein Mitarbeiter der Firma Degen präsentierte. Der digitale Lerntisch funktioniert eher wie ein Tablet. Der berührungssensitive Bildschirm lässt sich kippen und somit wie eine Tafel oder als höhenverstellbarer Tisch einsetzen.

Richtig eingestellt können die modernen Lerhmittel problemlos auch für Menschen mit schweren Behinderungen zugänglich gemacht werden. 

Das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung findet nicht in einem luftleeren Raum statt“, sagt Schulrat Gerald Klenk, Vorsitzender der Lernwirkstatt Inklusion. „Die digitale Revolution ist Teil der Herausforderung, vor der Kinder heute stehen. Es ist unser Auftrag, Menschen dafür fit zu machen.“

Eine weit größere Herausforderung als für die junge Generation – die sogenannten „Digital Natives“, die mit digitalen Medien aufwachsen – dürfte der Einsatz des neuen Lerntisches für viele Lehrkräfte sein. Diese Schwelle möchte die Lernwirkstatt überschreiten. Hier sollen Lehrerinnen und Lehrer mit dem Lerntisch die Möglichkeit bekommen, die eigene Medienkompetenz auszubauen und zu testen, ob sich eine solche Anschaffung für den Unterricht in der eigenen Schule lohnt.

Unterricht interaktiv

Die Gäste der Präsentation überzeugt vor allem die Option, multimedial in Dialog mit Schülerinnen und Schülern zu treten, denn der Lerntisch lässt sich leicht mit anderen Endgeräten verbinden. So können Lehrkräfte eine Aufgabe an die Klasse schicken, die Kinder bearbeiten sie auf einem eigenen Gerät, etwa dem Smartphone, und senden sie an den Lerntisch zurück. Sogleich zücken die anwesenden Lehrer ihre Handys und testen die interakive Funktion. Als die erste Rückantwort auf dem Bildschirm erscheint, nicken alle zustimmend.

Wir brauchen Funktionen, die die Ergebnisse der Schüler ins Zentrum stellen“, sagt Jörg Baldamus, ehemaliger Schulleiter der Mittelschule Altdorf, jetzt Schulrat im Schulamt Nürnberg. Auch Übergangsklassen mit Kindern aus verschiedenen Herkunftsländern bietet der Tisch eine hilfreiche Funktion: Sie können Wörter online in ein Übersetzungsprogramm eintippen und deren Aussprache per Audiowiedergabe anhören.

Digitale Bildungsoffensive

Ob das neue Medium die Lernwirkstatt bereichert, hängt nun davon ab, ob und wie Bildungseinrichtung und Lehrkräfte es einsetzen. „Das ist unser Einstieg in die digitale Bildung“, sagt Klenk, der bereits eine Vision hat: Eine Mitarbeiterin des Arbeitskreises Inklusion kann programmieren und könnte kleine Unterrichtsprogramme schreiben. Eine Software mit verschiedenen Lernprogrammen, Tafelbildern, Spielen und weiteren Ressourcen stellt der Hersteller bis zu einem gewissen Volumen kostenlos zur Verfügung.

v.l.: Kurt Degen, Irmgard Badura, Dr. Gerald Klenk, Sebastian Degen (Fotos: Fa. DEGEN, Marco Ermann)

Im Herbst vergangenen Jahres startete Bundesbildungsministerin Johanna Wanka eine Bildungsoffensive mit dem Ziel IT-Kenntnisse, den souveränen Umgang mit Technik und digitales Lernen an Schulen voranzutreiben. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird der Bund im Rahmen des DigitalPakt#D mit den Ländern die digitale Ausstattung an deutschen Schulen mit rund fünf Milliarden Euro bezuschussen und damit vielleicht auch den ein oder anderen Lerntisch.

Irmgard Badura, bayerische Behindertenbeauftragte und Schirmherrin der Lernwirkstatt, dankte den Sponsoren, der Firma Degen, für ihre Spende. Der Nürnberger Lehrmittelhersteller produziert zwar noch die gute alte analoge Schultafel, vertreibt mittlerweile aber zu etwa 50 Prozent digitale Lehrmittel wie Whiteboards oder diesen Tisch.

Marco ErmannComment